TYPIK UND SEMANTIK

01.06.2009

Arhe VI, 11/2009
UDK 1 Husserl E.
1 Schütz A.
81:1

Originalni naučni rad / Original Scientific Paper

GERD SEBALD
Universität Erlangen-Nürnberg

TYPIK UND SEMANTIK

Abstract: Ausgehend von Luhmanns Semantikbegriff werden in Rekurs auf Edmund Husserl und Alfred Schütz in dem Artikel Spezifika von Typik und Typisierung herausgearbeitet. Typiken sind Grundstrukturen der Erfahrung, die im Gegensatz zur sequentiellen sprachlichen Prozessierung in paralleler und analoger Weise verarbeitet werden. Auf dieser Grundlage wird das Problem der Versprachlichung bzw. der Explizierung des Impliziten untersucht.

Schlüsselwörter: Typik, Semantik, Schütz, Husserl, Phänomenologie

1 Luhmanns Semantik

Eine der wesentlichen theoretischen Neuerungen, die Luhmann der Parsonschen Systemtheorie am Beginn der 70er Jahre hinzugefügt (und sie damit zu seiner Theorie gemacht) hat, war die Einführung des phänomenologischen Sinnbegriffs in die Systemtheorie (Göbel 2000: 57 ff.). Die zentrale Stellung dieses Begriffes blieb auch in und nach der konstruktivistisch-autopoietischen Wende erhalten. Allerdings ist der Luhmannsche Sinnbegriff eingeschränkt, insofern als damit nur die Differenz von Aktualität und Potentialität, die je aktuelle Selektion vor dem Horizont der Möglichkeiten gemeint ist. Dieser reduzierte Sinnbegriff macht die Einführung von Semantiken (im Anschluß an die hermeneutisch orientierten, begriffsgeschichtlichen Arbeiten von Koselleck 1989) als Formen typisierten Sinns (Luhmann 1980) notwendig, um Anschlußmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen: Ohne jeden Bezug auf Typen wäre Sinn, wo er auftaucht, zunächst unterbestimmt, unverständlich, inkommunikabel. (ebd.)

Das generiert eine Reihe von Problemen im Theoriezusammenhang der Systemtheorie, etwa die Frage nach dem Verhältnis von Struktur und Semantik in sinnverarbeitenden sozialen Systemen (vgl. etwa Kogge 1999; Stäheli 1998) oder das Problem der strukturellen Kopplung zwischen sinnverarbeitenden und auf der Basis von Sprache operierenden psychischen und sozialen Systemen (Srubar 2005). Der Semantikbegriff bleibt bei Luhmann jedoch ebenfalls merkwürdig eingeschränkt:

»Es liegt an dieser Struktur [Sinn als selbstanregende kritische Masse, G. S.], daß das Ganze der mitimplizierten Welt nicht als Fülle, sondern nur über Selektionen, über Reihungen oder über Aggregationen unter Verzicht auf Details zugänglich ist. Um diese Selektionen im Rahmen des sozial Erwartbaren und Anschlußfähigen zu halten, wird Sinn typisiert, nämlich je nach Bedarf zeitlich, sachlich und sozial generalisiert.« (Luhmann 1980: 18)

Luhmann ruft hier den Mechanismus der Typisierung als Generalisierung in den Dimensionen der Sinnselektionen auf. Typisierung wird funktional eingeführt »als Fassung der Variationsfunktion, die ein Prozessieren von Mehrdeutigkeiten im System ermöglicht.« (ebd.: Fn. 11) Typen sind aus dieser Perspektive eine verallgemeinerte, also auf Dauer gestellte und sozial verbreitete Form der Selektion aus einem Horizont von Möglichkeiten, sozusagen gedächtnisbegabte Selektionsmuster. Semantik als »höherstufig generalisierter, relativ situationsunabhängig verfügbarer Sinn« (ebd.: 19) ist ein Vorrat an Sinnverarbeitungsregeln, sowohl im Alltagsgebrauch als auch als gepflegte Semantik. Semantiken sind davon dann nur graduell unterschieden, als entsprechend dauerhaftere, weiter verbreitete Selektionsmuster. Derart formal auf Selektion beschränkte Typen- und Semantikbegriffe sind aus der Perspektive einer phänomenologisch orientierten Soziologie sowohl theoretisch als auch empirisch unbefriedigend. Aber der damit aufgerufene Zusammenhang von Typik- und Semantikbegriff scheint mir, nicht aus der Luhmannschen Perspektive, Ansatzpunkte für die Formulierung eines phänomenologischen Semantikbegriffes zu bieten. In der phänomenologischen Tradition stellen Typik und Typisierung eine grundlegende Struktur des subjektiven (vielleicht auch des sozialen) Weltzugangs dar. Diese Struktur der Wahrnehmungsverarbeitung auf der vorprädikativen Ebene bleibt dabei implizit, im Sinne des impliziten Wissens von Polanyi (1983).1 Daher stellen sich für einen phänomenologischen Semantikbegriff die Probleme

  1. der Intersubjektivität bzw. der inter- bzw. übersubjektiv typisierten Fundierung der Kommunikation.
  2. der Faßbarkeit des Verhältnisses von Semantik und Typik unter Voraussetzung der impliziten Dimension, sowohl auf einer subjektiven Ebene, wie auf einer intersubjektiven Ebene
  3. der Transformation von nichtsprachlichen Typen in sprachliche und schließlich
  4. der Variation von sprachlichen Typen, im Folgenden als Sememe bezeichnet.

Diese Probleme wird und will der folgende Text nicht lösen, sondern versuchen einige Grundlegungen für ein Verständnis der Zusammenhänge von Semantik und den Prozessen der Typisierung aus der Phänomenologie Edmund Husserls und der pragmatischen Lebenswelttheorie von Alfred Schütz heraus zu (re-)konstruieren. In einem ersten Schritt werden deshalb Aspekte der Typik und der Typisierung im Husserlschen Werk untersucht, um erste Anhaltspunkte für eine Beschreibung der spezifischen Prozessualität von Typiken zu gewinnen. In einem zweiten Schritt wird die Übernahme dieser Konzeption und die spezifische Verwendung dieser Begriffe durch Alfred Schütz untersucht, um daraus zum einen eine erste Konzeption für Typik und Typisierung zu gewinnen und zweitens den Zusammenhang von Typik, Intersubjektivität und Sprache in der pragmatischen Lebenswelttheorie zu untersuchen. Anhand der in dieser Rekonstruktion identifizierten Probleme werden schließlich in einem dritten Schritt das Verhältnis von Sprechen und Intersubjektivität und einige Punkte der spezifischen Prozessualität von sprachlichen Typen (Sememen) herausgearbeitet. Der Schwerpunkt des Textes hat sich im Laufe der Ausarbeitung auf die Begriffe der Typik verschoben, nicht als alternative Grundbegriffe der Soziologie und Sozialphilosophie, sondern als solche, deren Verhältnis zur Semantik grundlegend für die Entwicklung eines phänomenologischen, sowohl empirisch wie theoretisch überzeugenden Semantikbegriffes ist.

2 Typus und Typik in Husserls Phänomenologie

Husserl verwendet den Typenbegriff als deskriptiven Grundbegriff seiner Phänomenologie. Er führt ihn meines Wissens erstmals in seiner Bedeutungstheorie ein: In der Behandlung des Problems der Vieldeutigkeit von Ausdrücken trifft Husserl die Unterscheidung zwischen vagen und exakten Ausdrücken. »Vage sind die meisten Ausdrücke des gemeinen Lebens, wie Baum und Strauch, Tier und Pflanze u. dgl. […] Vage Ausdrücke besitzen nicht einen in jedem Falle ihrer Anwendung identischen Bedeutungsgehalt; sie orientieren ihre Bedeutung nach typisch, aber nur partiell klar und bestimmt aufgefaßten Beispielen.« (Husserl 1992a: § 27)

Das Typische drängt sich Husserl zufolge in der nicht klar und nicht bestimmt gefaßten Wahrnehmung und Erfahrung auf. Es wird nicht anhand hierarchischer kategorialer Zusammenhänge aufgerufen, sondern anhand von wechselnden Beispielen. In einer Vielzahl von Beispielfällen aus einem als einheitlich geltenden Bereich generiert sich das jeweils Typische. Der Husserlschen Theorie zufolge bestimmen die so gewonnenen Typen die Bedeutung der vagen Ausdrücke und übertragen ihre fließenden Übergänge auf diese (Husserl 1992a: § 27). Die Erfahrung wird so zu einem Mechanismus der Einhegung der potentiell unendlichen Variabilität der Typen (und damit der sprachlichen Ausdrucksformen).2 Die Richtung der Bestimmung bzw. Fundierung in den Logischen Untersuchungen ist klar: von der Wahrnehmung/Erfahrung zur Typisierung und schließlich zum sprachlichen Ausdruck.

Ein Aspekt, der von Husserl hier betont wird, ist die Struktur von Typen: »Die aufgrund der Wahrnehmung und Erfahrung sich aufdrängenden typischen Charaktere […] bestimmen bedeutsame Ausdrücke, die infolge der fließenden Übergänge dieser Gattungen (sc. innerhalb ihrer oberen Gattungen) selbst zu fließenden werden müssen.« (Husserl 1992a: § 27) Typen haben einen relativ klar bestimmten Kern, der von einem unbestimmten Rand, einem Horizont, einer Peripherie umgeben ist, was eine Abgrenzung und Differenzierung verschiedener Typen schwierig machen kann.3 Zentral wird der Begriff des Typus jedoch erst im Spätwerk Husserls, allerdings in einem verschobenen Fundierungsverhältnis: Typisierung wird zur Grundstruktur jeglicher Erfahrung: »Daß alle Gegenstände der Erfahrung von vorneherein als typisch bekannte erfahren werden, hat seinen Grund in der Sedimentierung aller Apperzeptionen und ihrer habituellen Fortwirkung auf Grund assoziativer Weckung. Assoziation stellt ursprünglich passiv die Synthesis des Gleichen mit dem Gleichen her, und das nicht nur innerhalb des Feldes der Präsenz, sondern auch durch den ganzen Erlebnisstrom und seine immanente Zeit und alles in ihr je Konstituierte hindurch.« (Husserl 1948: § 81)

Erfahrung geschieht immer vor einem Horizont bereits vollzogener Erfahrungen, und bereits sedimentierter Typenvorräte. Entsprechend wird jede neue Erfahrung auf Grundlage dieses Vorrats eingeordnet. Grundprinzip der Erfahrung ist die Wiederholung bzw. die wiederholte Anwendung des vorhandenen Typenschatzes, die »iterative Unendlichkeit, die ihr subjektives Korrelat hat im man kann immer wieder.« (Husserl 1992b: § 74)

In der Husserlschen Beschreibung des Bewußtseinsstromes und der Konstitution von Gegenständlichkeiten darin auf der Grundlage des habituell erworbenen Typenvorrats wird deutlich, daß es neben dem zeitlichen Nacheinander auch ein Nebeneinander der Informationsverarbeitung gibt. Gerade für die Form der passiven Synthesis, der rein habituell-typenhaften, grundlegenden Form der Wahrnehmungsverarbeitung, wird eine solche Parallelität mit den Prädikaten »vielstrahlig« oder »polythetisch« beschrieben, also im Sinne einer mehrgleisigen Prozessierung. Den Verarbeitungsmodus in diesem Bereich nennt Husserl Assoziation, »das etwas erinnert an etwas« (Husserl 1948: § 16). Einmal hergestellte assoziative Verbindungen können in der Folge immer wieder »geweckt« werden bzw. »wecken« sich in der Anwendung. Nicht die Sequentialität diskreter Elemente, sondern die parallele Anwendung assoziativ konnektierter Elemente zeichnet die spezifische Prozessualität der Typisierung aus.

Typisierung bleibt aber auch im Spätwerk Husserls in einem Fundierungsverhältnis zum sprachlichen Ausdruck. Typen sind bereits in der vorprädikativen und vorbegrifflichen Sphäre erfahrungskonstituierend. Erst auf dieser Basis greift die kognitive Aktivität des Ich in »prädikativer Spontaneität« und der höheren Stufe des »begreifenden Denkens« (Husserl 1948: 244, 381) in den Konstitutionsprozeß ein, aber immer auf Grundlage der vorprädikativen Erfahrung. Ohne dieses Fundierungsverhältnis zu übernehmen, läßt sich damit eine grundsätzliche Unterscheidung in die Typiken einführen: die zwischen impliziten und explizi(er)ten Typiken.

Zusammenfassend läßt sich sagen, dass Typiken als spezifische Wissens- und Sinnkonstitutionsformen nach Husserl aus der Wiederholungstruktur der Erfahrung generiert werden. Sie bestimmen den menschlichen Weltzugang grundlegend, sowohl in vorprädikativer als auch in prädikativer und begrifflicher Hinsicht. Sie sind nicht durch scharfe Differenzen und Abgrenzungen zu anderen Typen bestimmt, sondern durch eine für assoziative Verbindungen offene Kern-Peripheriestruktur, deren Unschärfe mit dem Abstand vom Kern wächst. Entsprechend basiert die typische Verarbeitung von (typisierten) Informationen nicht auf der Sequentialität diskreter Elemente, sondern auf der parallelen Prozessierung assoziativ verbundener Elemente. Diese Kennzeichen der impliziten typischen Prozessualität sollen nun im nächsten Schritt mit Alfred Schütz um eine genauere Charakteristik der Struktur von Typiken und dem Prozess der Typisierung ergänzt werden.

3 Schütz’ typentheoretische Ausführungen

3.1 Typen, Relevanz und Typisierung

Alfred Schütz greift in der für ihn typischen Manier die Husserlsche Phänomenologie auf, d. h. er baut sie, entsprechend seiner eigenen Problemstellung, der philosophischen Fundierung einer verstehenden Soziologie, selektiv-kritisch in seine eigene Theorie ein.

Schütz stellt sich das Problem der Typisierung in der Sphäre der relativ natürlichen – mundanen – Einstellung. Aus dieser Position heraus gibt er den selektiven Mechanismen, die dem Prozeß der Typisierung zugrundeliegen, eine einheitliche Basis: er spezifiziert die diesem Prozeß zugrundeliegenden Selektionsvorgänge, die bei Husserl noch unter Motivation und Interesse gefaßt waren, unter dem Begriff Relevanz. Typen sind aus dieser Sicht »die Gesamtsumme dessen, was zu einer gegebenen Zeit im Auslegungsgegenstand auslegungsmäßig relevant ist. Wir begeben uns in den äußeren und inneren Horizont des Auslegungsgegenstands […]. Der so erworbene habituelle Vertrautheitsbesitz wird unsere Kenntnis dieses Erfahrungsgegenstands in Hinsicht auf seinen Typus genannt. Der Typus ist somit die Demarkationslinie zwischen den erforschten und unerforschten Horizonten des vorliegenden Themas und das Ergebnis früher gültiger Systeme der Auslegungsrelevanzen. […] Es gibt keine Auslegungsrelevanz als solche, sondern nur eine Auslegungsrelevanz, die sich auf ein gegebenes Thema bezieht. Und, als Folge davon, gibt es keinen Typus als solchen, sondern nur Typen, die sich auf ein besonderes Problem beziehen, nur Typen, die sozusagen Verweisungen auf das vorliegende Thema mit sich führen, zu dessen Auslegung sie gebildet wurden.« (Schütz 2004a: 121f.)

Die interdependenten thematischen, interpretativen und motivationalen Relevanzen bilden sich in den Prozessen der pragmatischen Auseinandersetzung mit der Welt. Hier wird deutlich, dass sich der sinnkonstituierende Zusammenhang, den Schütz’ mundane Phänomenologie zugrundelegt, von jenem Husserls unterscheidet: zu Bewußtsein und Leiblichkeit treten Handlung, Sozialität, Intersubjektivität und die biographische Situation hinzu (vgl. Schütz 2004b: 333 ff.).

Die zentrale Unterscheidung in der Analyse der Typisierung ist vor diesem Hintergrund für Schütz die von vertraut/unvertraut. Dadurch geraten ihm jedoch die oben in Anlehnung an Husserl entwickelten Differenzen von implizitem und explizitem Verarbeitungsmodus aus dem Blick (keineswegs jedoch die Differenz zwischem implizitem und explizitem Wissen).

Typen sind bei Schütz nicht weiter unterschiedene generelle Formen des Wissensvorrats und in dieser Perspektive einheitlich konstituiert als in der Zeit sedimentierte Resultate des Zusammenwirkens thematischer, interpretativer und motivationaler Relevanzen als universeller Selektionsmechanismen des handelnden Ego. »Jeder Typ des lebensweltlichen Wissensvorrates ist ein in lebensweltlichen Erfahrungen gestifteter Sinnzusammenhang, anders ausgedrückt der Typ ist eine in vorangegangenen Erfahrungen sedimentierte, einheitliche Bestimmungsrelation.« (Schütz und Luckmann 1979: 278)

Dieser Ansatz einer Definition stellt meines Erachtens einen Ansatzpunkt für die Entwicklung eines über Schütz hinausgehenden Typenbegriffes dar: nicht (nur) der Gehalt an Bestimmungen macht einen Typus aus, sondern die jeweiligen Relationen von einzelnen Bestimmungselementen. So verstanden hat ein Typus keinen gegenständlichen Charakter, sondern einen formal-relationalen. Die Stabilität kann dann verzeitlicht als eine Frage 1) der Gewichtung oder 2) der Bestätigung (oder Widerlegung) einer Verknüpfung gefaßt werden. Die Husserlsche Kern-Peripherie-Struktur wäre dann eine von festen, hoch gewichteten Verbindungen im Kern und lockeren Verbindungen in der Peripherie.

Ein neuer Typ entsteht bei Auflösung der vorhandenen Relationen zwischen den Bestimmungen und Konstitution eines neuartigen Sinnzusammenhangs, zwischen allerdings selbst typisierten Bestimmungen. Im anderen Zusammenhang spricht Schütz in Bezug auf das Fragwürdigwerden des bisher Fraglosen von einer »Explosion« der (typenbasierten) Erwartung (Schütz 2003a: 343).4 Es gibt somit keine »endgültigen Typen«. Typisierung, also nicht der auf Typiken beruhende Verarbeitungsmodus von Erfahrung, sondern der Prozeß der Typengenese selbst, ist ein offener konnektivistisch-verdichtender Prozeß, dessen temporäre Ergebnisse sich nur graduell bestimmen lassen: Grad der Geltung, Grad der Bestimmtheit, Grad der Vertrautheit. Typisierung ist damit als ein spezifischer Vorgang der Synthetisierung, der Kombination und Rekombination von Bestimmungselementen in Abhängigkeit von Relevanzstrukturen gefaßt. Diese Bestimmungselemente sind selbst wieder typisiert, d. h. sie haben dieselbe Struktur und können in fortschreitender Auslegung ihres inneren Horizontes zu eigenständigen Typen werden. In mannigfaltigen Wiederholungen werden die Erfahrungssachverhalte in den jeweiligen Verbindungen und Gewichtungen der Typiken verdichtet.

Wenn mit und in Anlehnung an Schütz Typen und der Prozeß der Typisierung so gefaßt werden, ist aber erstens mit dieser generellen Charakterisierung des Typisierungsprozesses über mögliche Differenz von Typenformen und -prozessen noch nichts gesagt. Und zweitens stellt sich mit Schütz auch und gerade in diesem Zusammenhang das Problem der Intersubjektivität.5 Deshalb werden in einem nächsten Schritt die von Schütz analysierten Zusammenhänge von Typiken, Sprache und Intersubjektivität rekonstruiert. Denn einzig in der Frage der Sprachlichkeit, bzw. des Verhältnisses von Sprache und Typik wird die Problematik der übersubjektiven Ebene bei Schütz thematisch.6

3.2 Typisierung, Sprache und Intersubjektivität 7

Bei Luckmann und Schütz sind sowohl »Typ-Konstitution wie Typ-Struktur grundsätzlich ohne Sprache denkbar, wie ja auch in gewissem Sinn vorsprachliche Erfahrungen gedacht werden können. Dies gilt in zweifacher Weise. Erstens liegen die Fundierungsverhältnisse so, daß die Struktur der Sprache Typisierung voraussetzt, nicht aber umgekehrt. Zweitens sind empirisch-genetisch typisierende Schemata durchaus auch schon bei Kindern, die noch nicht sprechen, nachzuweisen.« (Schütz und Luckmann 1979: 280) Typisierung und Typenstruktur werden zu einer Voraussetzung der sprachlichen Struktur, vielleicht sogar zu einer Voraussetzung des ontogenetischen Spracherwerbs. Dabei muß jedoch die Genesis von der Frage der Geltung, gerade in Bezug auf das hier am Horizont liegende Problem der Semantik, unterschieden werden: »Die Sprache ist ein System typisierender Erfahrungsschemata, das auf Idealisierungen und Anonymisierungen der unmittelbaren subjektiven Erfahrung beruht. Diese von der Subjektivität losgelösten Erfahrungstypisierungen sind sozial objektiviert, wodurch sie zu einem Bestandteil des dem Subjekt vorgegebenen gesellschaftlichen Apriori werden.« (Schütz und Luckmann 1979: 282) Sprache (be)ruht auf der unmittelbaren subjektiven Erfahrung und gewinnt ihre ebenfalls typisierten Schemata durch die Prozesse der Idealisierung und Anonymisierung.

Diese Operation wird bei Schütz/Luckmann als Nachbildung charakterisiert: insofern als die »in einer Gesellschaft bzw. relativ natürlichen Weltanschauung vorherrschenden und relevanten Erfahrungsschemata in der Gliederung der Sprache in semantisch-syntaktischen Feldern nachgebildet sind.« Im weiteren wird der Prozeß von der Typik zur Sprache als Objektivierung gefasst: »Die Sprache enthält in einem einheitlich objektivierenden Medium die über viele Generationen angehäuften und als bewährt bestätigten Ergebnisse der Typenkonstitution und Typenabwandlung. Jeder Typ findet durch sprachliche Objektivierung einen Stellenwert in der semantischen Gliederung der Sprache.« Das in diesen Zitaten aufgerufene Fundierungs- und Entsprechungsverhältnis von Typik und Sprache übernehmen Luckmann und Schütz im Grundsatz von Husserl und bezeichnen die Transformationsprozesse als Idealisierung, Anonymisierung und Objektivierung.

Bei Luckmann und Schütz sind die durch Nachbildung konstituierten sprachlichen Typen dann eingebettet in einen (man ist versucht zu schreiben: emergenten) Typisierungszusammenhang, der von subjektiver unmittelbarer Erfahrung entkoppelt ist. In diesem System von Differentialitäten haben sprachliche Typen ihren spezifischen Stellenwert in Differenz zu anderen Typen; aufgestuft und wechselseitig abhängig. Dieses überindividuelle System der sprachlich-semantischen Erfahrungsablagerung wird damit zu einem übergenerationell vorhandenen Wissensvorrat.8

Diese Konzeption des Verhältnisses von Typik und Sprache kann in zweifacher Hinsicht nicht überzeugen. Zum ersten fehlt eine Erklärung für die Konstitution von inter- bzw. übersubjektiv gültigen Typen (4.1). Und zweitens wird davon ausgegangen, daß sprachliche Typiken dieselbe Struktur und denselben Verarbeitungsmodus haben wie nichtsprachliche. Wenn jedoch die oben mit Husserl entwickelten Spezifika der impliziten Verarbeitung (fehlende Diskretheit, Parallelität etc.) ernst genommen werden, ergibt sich genau an diesem Punkt ein Problem: der Bruch zwischen impliziten, nichtsprachlichen Typen einerseits und den sprachlichen Typen andererseits. Versprachlichung ist dann keine bloße Vergegenständlichung,9 keine Nachbildung mehr, sondern eine spezifische Form von Transformation, deren formierende Potentiale genauer ausgelotet werden müssen (4.2).

4 Sprechen, Intersubjektivität und Sememe

4.1 Das Sprechen und die Intersubjektivität

Um das Verhältnis von Sprechen und Intersubjektivität genauer zu fassen, gilt es, einen Blick auf Schütz’ Kommunikationstheorie zu werfen, wie er sie in dem Aufsatz »Symbol, Wirklichkeit und Gesellschaft« entwirft.

Kommunikation findet immer »innerhalb der Wirklichkeit der Außenwelt« statt. Sie setzt voraus, daß die Deutungsschemata von Mitteilendem und Deutendem im wesentlichen übereinstimmen (wobei nie eine vollständige Identität eintreten kann), erfolgreiche Kommunikation setzt deshalb entsprechende übereinstimmungen der Relevanzsysteme voraus. Der Erfolg einer Kommunikation im pragmatisch-diskursiven Sinn ruht dementsprechend auf einer Grundlage von Typisierungen, Abstraktionen und Standardisierungen. Diese Grundlage wird aufgrund der bisherigen Erfahrungen, »solange kein Gegenbeweis vorliegt«, als intersubjektiv gültig und selbstverständlich gegeben angenommen (Schütz 2003b: 163). Die Besonderheit dieser Grundlage (oder des Rahmens der Kommunikation) ist nun, daß sie intersubjektiven bzw. übersubjektiven Charakter hat. Sie gilt in der gesamten Welt des Alltags in aktueller und potentieller Reichweite, im geschlossenen Sinnbereich der Alltagswelt. Die Grundlage für die Geltung dieser intersubjektiven Typisierungen und Standardisierungen ist Schütz zufolge eine Idealisierung: die Generalthese der Reziprozität der Perspektiven und die damit vorgenommene Ersetzung der »Gedankenobjekte der privaten Erfahrung durch typisierende Konstruktionen gemeinsamer Gedankenobjekte« (Schütz 2003b: 160). Erst damit ist die für Kommunikation notwendige wesentliche Übereinstimmung der Interpretationsschemata gegeben. Diese Idealisierungen erhalten durch Kommunikationssituationen selbst Bestätigung oder Widerlegung, werden sozusagen in der Kommunikation pragmatisch kontrolliert: die inneren Zeitabläufe der Kommunizierenden werden im Gespräch aufeinander und auf eine Welt hin abgestimmt, es werden im pragmatischen, sequentiellen Vollzug der Kommunikation »intersubjektive Zeitvorgänge« konstitutiert.10

Vielleicht liegt hier das wichtigste Feld für den leiblichen und gestischen Ausdruck. Und vielleicht wäre hier implizite Grundierung in Form von Typiken zumindest der Interaktionssituationen zu suchen. Im Falle medienbasierter Kommunikation müssen je spezifische Grundlagen für entsprechende Selektionsmuster ausgebildet werden.

4.2 Die Differenzen der Sememe

Die sprachlichen Typen, im Folgenden als Sememe bezeichnet, mögen zwar ebenfalls in mit Schütz herausgearbeiteten konnektivistisch-verdichtenden Typisierungsprozessen entstehen, aber das bedeutet nicht, daß sie den impliziten Typen gleich wären. Wenn der linguistic turn etwas gezeigt hat, dann, daß Sprechen und Sprache spezifische Eigenschaften haben, und damit eine gewisse Eigenständigkeit, die sie von den oben entwickelten Eigenschaften der impliziten Typiken und ihrer Prozessualität grundlegend unterscheiden:

  1. Sememe sind an die Materialität diskreter Signifikanten gebunden, und damit an eine spezifische Sequentialität.
  2. Sie lassen sich relativ gut voneinander abgrenzen und kategorisierend ordnen.
  3. Sie unterliegen expliziten, übersubjektiv typisierten Regeln der Syntax und Grammatik, und zeigen damit in gewisser Weise eine eigenständige, von den Subjekten teilweise abgekoppelte Prozessualität, weil Variationen nur in einem gewissen Rahmen möglich sind.

Dabei bleibt in der Verbindung der sprachlichen Bedeutungselemente, den Verschiebungen und Verdichtungen, das offen konnektivistische Element durchaus erhalten. Im konkreten Sprechen wird auf die vorgegebene Sprachstruktur und ihre Regeln zurückgegriffen, allerdings aus dem je aktuellen biographischen und sozialen Kontext heraus. Damit eröffnet sich auch die Möglichkeit, die sprachlichen Typen zu variieren, ihnen die je kontextspezifischen neuen Bedeutungselemente beizulegen und so neue Relationen hinzuzufügen.

Aus diesen Eigenschaften folgt die spezifische Sequentialität der Sprache und des Sprechens und eine gewisse Eigenständigkeit der semantischen Typik bzw. Semantik im Verhältnis zur impliziten Typik. Diese Eigenständigkeit ist jedoch nicht im Sinne einer Unabhängigkeit zu verstehen, weil sich das konkrete Sprechen eben nicht unabhängig von Subjekten und damit auch nicht unabhängig von den impliziten Typisierungen ereignen kann. Mit Schütz wurde deutlich, daß Kommunikation Übereinstimmungen in den Relevanzstrukturen bzw. die Ausbildung von intersubjektiven Relevanzstrukturen erfordert, deren Geltung nur rekursiv in der Kommunikation realisiert werden kann.11

Was mit den herausgearbeiteten Differenzen zur impliziten Typik jedoch ausgeschlossen wird, ist eine Gleichsetzung oder einfache Übertragung zwischen diesen beiden Bereichen des menschlichen Weltzugangs. Wenn Inhalte von der einen in die andere Form von Typik transformiert werden, unterliegen sie spezifischen, in- und transformierenden Veränderungen. Auch wenn der Prozess der Typisierung der gleiche oder ähnlich ist, entstehen doch durch die herausgearbeiteten Differenzen unterschiedliche Typiken, die eben nicht einfach übertragen werden können. Die Versprachlichung etwa von olfaktorischen oder gustatorischen Wahrnehmungen macht diese Schwierigkeiten beispielhaft sichtbar.

5 Schluß

Aus dem Entwickelten lässt sich natürlich noch kein Begriff von Semantik ableiten, aber es sollten einige Spezifika von Typiken und Typisierungsprozessen deutlich geworden sein, auf die ein solcher Begriff von sprachlich typisiertem Sinn (nicht im Luhmannschen Verständnis) aufruhen könnte.

Zum Verständnis von Semantik und den Prozessen der Semantikgenese, -tradierung und -proliferation ist eine doppelte Perspektive nötig: einerseits die auf den jeweiligen subjektiven Gebrauch und den Kontext des Gebrauchs und andererseits die auf das eigenständige Prozessieren. Semantische Formen können zwar nicht als aus freier Subjektivität gestalteter Sinn betrachtet werden, aber sie sind genausowenig bloße objektiv(iert)e Sinnmuster. Erst im Zusammenhang von impliziter Typisierung und Semantik sowohl auf subjektiver wie auf übersubjektiver Ebene wird der Sinnformierungsprozeß verständlich. Die Sprache spricht zwar, aber ohne sprechende und typisierende Subjekte bleibt sie stumm.

Literatur

  1. Berger, Peter L. und Luckmann, Thomas (1998): Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Theorie der Wissenssoziologie. Fischer Verlag, Frankfurt/M.
  2. Gadamer, Hans Georg (1990): Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik, Gesammelte Werke Bd. 1. J. C. B. Mohr, Tübingen, 6. Aufl.
  3. Göbel, Andreas (2000): Theoriegenese als Problemgenese. Eine problemgeschichtliche Rekonstruktion der soziologischen Systemtheorie Niklas Luhmanns. UVK, Konstanz.
  4. Husserl, Edmund (1948): Erfahrung und Urteil. Untersuchungen zur Genealogie der Logik. Claassen & Goverts, Hamburg.
  5. Husserl, Edmund (1976): Ideen zu einer reinen Phänomenologie und phänomenologischen Philosophie. Erstes Buch. Martinus Nijhoff, Den Haag.
  6. Husserl, Edmund (1992a): Ausdruck und Bedeutung. In: Husserl (1992c), S. 30 – 110.
  7. Husserl, Edmund (1992b): Formale und transzendentale Logik. Versuch einer Kritik der logischen Vernunft, Gesammelte Werke Bd. 7. Meiner, Hamburg. Textgrundlage Husserliana Bd. XVII, hg. v. Paul Janssen, Den Haag: Nijhoff 1974.
  8. Husserl, Edmund (1992c): Logische Untersuchungen. Zweiter Band, I. Teil: Untersuchungen zur Phänomenologie und Theorie der Erkenntnis. Meiner Verlag, Hamburg.
  9. Kogge, Werner (1999): Semantik und Struktur. Eine alteuropäische Unterscheidung in der Systemtheorie. In: Interpretation, Konstruktion, Kultur. Ein Paradigmenwechsel in den Sozialwissenschaften (herausgegeben von Reckwitz, Andreas und Sievert, Holger), Westdeutscher Verlag, Opladen, S. 67 – 99.
  10. Koselleck, Reinhart, (Hg.) (1989): Vergangene Zukunft. Zur Semantik geschichtlicher Zeiten. Suhrkamp, Frankfurt/M.
  11. Luhmann, Niklas (1980): Gesellschaftliche Struktur und semantische Tradition. In: Luhmann (1993), S. 9 – 71.
  12. Luhmann, Niklas (1993): Gesellschaftsstruktur und Semantik. Studien zur Wissenssoziologie der modernen Gesellschaft, Bd. 1. Suhrkamp, Frankfurt/M.
  13. Polanyi, Michael (1983): The Tacit Dimension. Peter Smith, Gloucester/Mass. Amer. Orig. 1966.
  14. Schütz, Alfred (1971): Typus und Eidos in Husserls Spätphilosophie. In: Alfred Schütz: Gesammelte Aufsätze 3. Studien zur phänomenologischen Philosophie (herausgegeben von Schütz, Ilse), Martinus Nijhoff, Den Haag, S. 127 – 152.
  15. Schütz, Alfred (2003a): Strukturen der Lebenswelt. In: Schütz (2003d), S. 325 – 347. Unveröff. Orig. 1958.
  16. Schütz, Alfred (2003b): Symbol, Wirklichkeit und Gesellschaft. In: Schütz (2003c), S. 117 – 220.
  17. Schütz, Alfred (2003c): Theorie der Lebenswelt 2. Die kommunikative Ordnung der Lebenswelt, Bd. V.2 von Alfred Schütz Werkausgabe. UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz.
  18. Schütz, Alfred (2003d): Theorie der Lebenswelt. Die pragmatische Schichtung der Lebenswelt, Bd. V.1 von Alfred Schütz Werkausgabe. UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz.
  19. Schütz, Alfred (2004a): Das Problem der Relevanz. In: Schütz (2004c), S. 57 – 249.
  20. Schütz, Alfred (2004b): Hic egregie progressus sum. In: Schütz (2004c), S. 331 – 339. Unveröff. Orig. 1958.
  21. Schütz, Alfred (2004c): Relevanz und Handeln 1. Zur Phänomenologie des Alltagswissens, Bd. VI.1 von Alfred Schütz Werkausgabe. UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz.
  22. Schütz, Alfred und Luckmann, Thomas (1979): Strukturen der Lebenswelt, Bd. 1. Suhrkamp, Frankfurt/M.
  23. Schütz, Alfred und Luckmann, Thomas (1990): Strukturen der Lebenswelt, Bd. 2. Suhrkamp, Frankfurt/M.
  24. Srubar, Ilja (2005): Sprache und strukturelle Kopplung. Das Problem der Sprache in Luhmanns Theorie. KZfSS, 57(4): S. 599 – 623.
  25. Stetter, Christian (1999): Schrift und Sprache. Suhrkamp, Frankfurt/M.
  26. Stäheli, Urs (1998): Die Nachträglichkeit der Semantik. Zum Verhältnis von Sozialstruktur und Semantik. Soziale Systeme, 4(2): S. 315 – 339.
GERD SEBALD
Univerzitet Erlangen-Nirnberg

TIPIKA I SEMANTIKA

Sažetak: Polazeći od Lumanovog pojma semantike, a nadovezujući se na Edmunda Huserla i Alfreda Šica, autor u članku razrađuje specifičnosti tipike i tipiziranja. Tipike su fundamentalne strukture iskustva koje se za razliku od sekvencijalnog jezičkog procesiranja obrađuju na paralelan i analogan način. Na toj osnovi se istražuje problem jezičkog formiranja odn. eksplikacije implicitnog.

Ključne reči: tipika, semantika, Šic, Huserl, fenomenologija

GERD SEBALD
University of Erlangen-Nuremberg

TYPICS AND SEMANTICS

Abstract: Starting from the Luhmmann’s concept of semantics and following Edmund Husserl and Alfred Schütz, the author elaborates distinctiveness of typics and typicizing. The typics are the fundamental structures of experience which are being processed parallelly and analogously, unlike the sequential linguistic processing. On that ground, the problem of linguistic forming, i.e. explication of the implicit is being explored.

Keywords: Typics, Semantics, Schütz, Husserl, Phenomenology

  • 1. Auch das Wissen um den Gebrauch der Sprache, das Sprechen, ist zuerst und vor allem ein implizites, ein auf nicht sprachlich explizierte, vielleicht gar nicht explizierbare Typiken aufgebautes Wissen.
  • 2. Vgl. dazu auch Husserliana V, Beilage IV, S. 131-137, wo auf die unerschöpfliche Unendlichkeit möglicher Typen hingewiesen wird.
  • 3. Diese Unschärfe wird von Seiten der begrifflichen und der eidetischen Ebene eingehegt: Den Gegensatz der vagen Ausdrücke bilden die auf strengen Definitionen ruhenden exakten Begriffe der Mathematik und der exakten Naturwissenschaften. Diese Unterscheidung dient in den Ideen I (§ 74 f.) dann der Unterscheidung von exakten Wissenschaften (Mathematik und mathematischen Naturwissenschaften) und deskriptiven Natur- und Geisteswissenschaften.
  • 4. Ähnlich das Gadamersche Konzept der Enttypisierung in der hermeneutischen Erfahrung (Gadamer 1990) und Husserls Explodieren der Einstimmigkeit in den Synthesen des Widerstreits, der Umdeutung und Andersbestimmung (Husserl 1976: 353).
  • 5. Denn mit dem Verzicht auf die transzendentale Sphäre wird auch eine Begründung der Inter- und Transsubjektivität problematisch: »Wir gestehen, dass alle operativen Begriffe der Phänomenologie, wenn sie auf die Probleme der Transsubjektivität angewandt werden, zu unlösbaren Schwierigkeiten führen.« (Schütz 1971: 150)
  • 6. Allerdings wird Gesellschaft aus der Sicht der pragmatischen Lebenswelttheorie nur als symbolische Appräsentation erreich- und sichtbar (Schütz 2003b: 192 ff.), bzw. als große Transzendenz (Schütz und Luckmann 1990).
  • 7. Es ist zu beachten, daß die im Folgenden zitierten Ausführungen vor allem von Luckmann stammen. Bei Schütz findet sich nur die Problemstellung: Noch zu analysierende Hauptfrage: Wie kommt es vom Typus zum Begriff? (Schütz und Luckmann 1990: 261)
  • 8. Die Parallelen zu den Prozessen der Externalisierung und Internalisierung in der gesellschaftlichen Konstruktion der Wirklichkeit sind unverkennbar (Berger und Luckmann 1998).
  • 9. Hinter dieser Problematik der Objektivierung verbergen sich mehrere Übergänge: von unmittelbarer Wahrnehmung zu versprachlichtem Sediment, von subjektiver zu intersubjektiver Typisierung, von fungierender zu reflektierender Intentionalität, von Archiv zu Aktualisierung.
  • 10. Die Konstitution der über/transsubjektiven Ebene kann aber wohl nicht auf solche Interaktionssituationen zurückgeführt werden.
  • 11. An dieser Stelle müßten in einem weiteren Schritt die Eigenheiten von sprachlichen Typen mit Stetter (1999) auf der Basis der Sprachtheorien von Humboldt und Wittgenstein weiter ausgeführt werden.